Nachdem wir in diesem Jahr nach einem Einsteigerkurs im Landschaftspark Duisburg im Sommer mit dem alpinen Klettersteig-Gehen begonnen haben, haben wir den Herbst genutzt, um auch nahe der Heimat Klettersteig-Erfahrungen zu sammeln. Denn man muss zum Glück nicht bis in die Alpen fahren, um in den Genuss einer via ferrata zu kommen.
So haben wir den Calmont- und den Mittelrhein-Klettersteig erklommen. Beide sind für Anfänger geeignet und bereits mit Kindern machbar. Für den Calmont-Klettersteig an der Mosel benötigt man auch keine Ausrüstung, er eignet sich daher perfekt für den Einstieg.

Streng genommen ist der Calmont-Klettersteig kein richtiger Klettersteig, denn man begeht ihn wie erwähnt ohne Ausrüstung. Das bedeutet, man benötigt weder Helm, noch Gurt, noch Klettersteigset. Was aber auf jeden Fall Pflicht sein sollte, sind feste Schuhe, dem Wetter angepasste Kleidung, Regen- bzw. Sonnenschutz und ausreichend Flüssigkeit.
Genauso wichtig sind Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und eine gewisse Kondition sowie Wandererfahrung. Auch wenn wir uns oberhalb der Mosel in einer typischen Mittelgebirgslandschaft befinden, trägt das Gelände durchaus alpine Züge.

Der Calmont-Klettersteig führt durch den steilsten Weinberg Europas oberhalb der Mosel zwischen Ediger-Eller und Bremm. Mehrere Leitern und Seile im Fels helfen beim Aufstieg, dazwischen ist der Pfad immer wieder sehr schmal und steil.
Zum Parken nutzt man am besten den kleinen Parkplatz an der Moselweinstraße in Eller. Von hier aus sind es nur wenige Schritte unter der Eisenbahnbrücke hindurch bis zum markierten Einstieg in den Steig.

Ich war vorher nicht sicher, ob der Steig auch für Hunde machbar sein würde. Im Internet findet man dazu unterschiedliche Informationen. Wir haben uns schließlich dazu entschlossen, es einfach mal zu probieren: Gleich zu Beginn gibt es eine Leiter, die Hunde definitiv nicht bewältigen können. Mein Herzensmann hat unsere Panda aber einfach über die Stufen hinaufgetragen.
Danach können alle Leitern u. ä. umgangen werden, sodass wir Panda tatsächlich über den kompletten Weg mitnehmen konnten. Mein Fazit lautet also: Es ist mit wandererfahrenen Hunden machbar, wenn man sie eine Leiter hinauftragen kann.

Nach den Klettersteigpassagen kann man über einen wirklich steilen Anstieg bis zum höchsten Punkt des Weinbergs wandern. Hier ist es wichtig, dass man den Weg nicht unterschätzt und genug Flüssigkeit dabei hat. Im Hochsommer benötigt man sicher zwei Liter pro Person.
Oben angekommen wird man nicht nur mit einer grandiosen Aussicht belohnt, sondern hat auch die Möglichkeit an einem kleinen Büdchen für ein Picknick in bester Lage Wein der ortsansässigen Winzer, Kaffee, Kuchen und andere Leckereien zu erwerben. Im Anschluss erfolgt der Abstieg zurück nach Eller über den Moselsteig, der einen schönen Abschluss der Tour darstellt.
Die GPS-Daten unserer Tour über den Calmont-Klettersteig findet ihr hier.

Der Mittelrhein-Klettersteig bei Boppard ist technisch etwas anspruchsvoller, daher wird hier auch eine komplette Klettersteig-Ausrüstung empfohlen. Diese kann man an mehreren Stellen in Boppard leihen (Tipp: vorher reservieren, zum Beispiel beim Basecamp Boppard), sollte man keine eigene besitzen.
Wir haben den Mittelrhein-Klettersteig am zweiten Tag unseres Kletterwochenendes in Rheinland-Pfalz getestet. Auch dieser hat uns sehr gut gefallen. Aufgrund des sonnigen Wetters war es jedoch sehr voll, sodass es vor den Kletterstellen immer wieder zu Wartezeiten kam.

Mit Hunden ist der Mittelrhein-Klettersteig definitiv nicht machbar. Es gibt aber einen ausgeschilderten Wanderweg (die Traumschleife Mittelrhein-Klettersteig), der um die Kletterstellen herumführt. Die beiden Wege treffen immer wieder aufeinander. So war es uns als Familie mit Hund möglich, einen Großteil der Tour zusammen zu wandern: An den Kletterstellen ist der Herzensmann mit Panda über den alternativen Wanderweg gelaufen, dazwischen sind wir zusammen gegangen. Der Rückweg ist ein normaler Wanderweg.

Auch der Mittelrhein-Klettersteig ist, sowohl mit als auch ohne die Kletterstellen, sehr steil. Daher benötigt man hier ebenfalls eine gute Kondition, ausreichend Flüssigkeit, feste Schuhe und dem Wetter angepasste Kleidung. Auf dem Bergrücken an der höchsten Stelle der Wanderung und nach erfolgreicher Bewältigung der Kletterpassagen trifft man auf wunderbare Aussichtspunkte mit Picknickmöglichkeiten und Waldliegen.
Auf dem Rückweg nach Boppard gibt es zwei Einkehrmöglichkeiten. Der Schluss-Abstieg unter dem Sessellift ist ebenfalls sehr steil, Trekkingstöcke sind hier auf jeden Fall hilfreich, wenn man seine Knie schonen möchte.

Beide Touren haben uns sehr gut gefallen und alpine Gefühle im Mittelgebirge aufkommen lassen. Je nach Wochentag, Wetter und Jahreszeit muss man mit einem hohen Besucherandrang rechnen. Wenn man sich vorher darauf einstellt, ist es aber erträglich. Andernfalls kann man natürlich einen Tag mit weniger gutem Wetter wählen oder nicht am Wochenende bzw. in den Ferien zu den beliebten Klettersteigen fahren.
Übrigens: Es gibt einen weiteren Klettersteig in Rheinland-Pfalz. Der Burgenklettersteig in Manderscheid ist noch einmal schwieriger und anspruchsvoller als der Mittelrhein-Klettersteig. Daher haben wir uns diesen für das nächste Jahr aufgespart.