Gastartikel von Jan Schuhmacher, Initiator und Entwickler von Watrify
Irgendwo auf einem Wanderweg im Schwarzwald, die Sonne scheint seit Stunden, es ist heiß, die Flasche ist fast leer – und kein Brunnen weit und breit. Wer viel draußen unterwegs ist, kennt diesen Moment. Mit Kindern wird er besonders dringlich.
Mir ist das über Jahre immer wieder passiert – beim Wandern, auf langen Radtouren, im Camper. Jedes Mal dieselbe Frage: Wo kann ich hier eigentlich meine Flasche auffüllen? Trinkbrunnen und Wasserspender gibt es eigentlich überall. Manchmal mitten auf dem Marktplatz, manchmal gut versteckt in einem Park. Das Problem ist nur: Viele Menschen wissen nicht, dass es sie gibt – oder sie sind schwer auffindbar: verstreut auf Gemeindewebseiten, in manchen Apps zwar integriert, aber oft veraltet, ohne Community-Funktion, dafür mit Werbebannern oder Abo-Druck.

Die Idee: Was wäre, wenn das besser ginge?
Ich arbeite seit über 15 Jahren im digitalen Produktumfeld und verbinde das gerne mit meiner Leidenschaft fürs Draußensein. Irgendwann habe ich mir das Problem genauer angeschaut und überlegt, wie man das besser machen könnte. Heraus kam Watrify – zunächst nur für mich zum Austesten, dann haben immer mehr Freunde davon erfahren, und irgendwann habe ich es einfach für alle geöffnet.
Was Watrify ist – und was nicht
Watrify ist eine kostenlose, werbefreie Online-Karte mit über 220.000 öffentlichen Trinkbrunnen und Wasserspendern in fast ganz Europa – für Web, iOS und Android. Ohne Registrierung, ohne Tracking, ohne kommerziellen Hintergrund.
Watrify ist kein Ersatz für Google Maps oder andere Outdoor-Apps. Es ist eine gezielte Ergänzung für genau dieses eine Thema, das dort bestenfalls Nebensache ist: Trinkwasser finden. Watrify soll nichts Neues erfinden – sondern das, was es gibt, zugänglich und sichtbar machen.
Praktisch sieht das so aus: Vor der nächsten Familientour einfach die Route auf der Karte checken – wo gibt es Trinkwasser entlang des Weges? Am Ziel ankommen und schon auf dem Weg wissen wo die nächste Nachfüllmöglichkeit ist. Oder spontan unterwegs wenn die Kinder Durst haben: App öffnen, nächsten Brunnen finden.

Die Karte wächst – und Kinder können mitmachen
Was mir besonders am Herzen liegt: Watrify lebt von seiner Community. Genutzt wird es von einer erstaunlich breiten Gruppe – Familien mit Kindern genauso wie Wanderer, Radfahrer und Camper, aber auch von allen, die im Alltag einfach mal spontan ihre Flasche auffüllen wollen. Jede und jeder kann neue Trinkwasserstellen einreichen, bestehende bewerten, Kommentare hinterlassen und Fotos hochladen. So wächst die Karte täglich weiter – und damit die Datenqualität für alle.
Gerade für Familien mit Kindern steckt da ein kleines Abenteuer drin: Den nächsten Brunnen im Park entdecken, eintragen, ein Foto machen – oder zu einem bestehenden Eintrag ein aktuelles Foto ergänzen und kommentieren. Damit wird die Karte für die nächste Familie ein Stück besser. Kinder erleben, dass ihr Beitrag zählt – und dass man digitale Werkzeuge auch sinnvoll einsetzen kann.
Warum ich das mache
Watrify ist kein Startup. Ich entwickle und pflege die gesamte Plattform – Web, iOS und Android – alleine, in meiner Freizeit. Die Fixkosten für Server und Betrieb versuche ich über einen kleinen Affiliate-Blog sowie Kaffee-Spenden von Nutzerinnen und Nutzern zu decken.
Was mich antreibt ist eine einfache Überzeugung: Trinkwasser gehört allen – und wer weiß wo er seine Flasche auffüllen kann, kauft keine Einwegflasche. Gerade mit Kindern unterwegs ist das ein echter Hebel, um Plastikmüll zu vermeiden und ein Bewusstsein für das zu entwickeln was um uns herum schon existiert – kostenlos, öffentlich, nur eben kaum sichtbar.
Probiert es einfach mal aus – auf der nächsten Tour, spontan wenn die Flasche leer ist. Und wenn ihr einen Brunnen entdeckt der noch nicht auf der Karte ist: eintragen, Foto machen, und der nächsten Familie den Weg zeigen. Ein kleiner Beitrag dazu, Wasser wieder als das wahrzunehmen, was es ist: ein öffentliches Gut, das uns allen zur Verfügung stehen sollte – sichtbar, kostenlos und nachhaltig.
→ Jetzt kostenlos Trinkbrunnen in Europa entdecken: www.watrify.de
Jan Schuhmacher ist Initiator und Entwickler von Watrify. Er lebt in Karlsruhe und ist in seiner Freizeit am liebsten draußen – wandern, biwakieren, graveln und bikepacking.