Salzig, bergig und romantisch – mit dem Rad durch das Münsterland

Das Münsterland ist als Paradies für Fahrradfahrer bekannt. Daher war es für uns im vergangenen Spätsommer höchste Zeit, eine mehrtägige Radtour dort zu verbringen. Entschieden haben wir uns für die Route Salzig, bergig und romantisch, die über gut 140 Kilometer von Steinfurt nach Rheine und weiter bergauf nach Tecklenburg sowie über Greven zurück nach Steinfurt führt.


Gestartet sind wir am Bahnhof in Burgsteinfurt, an dem sich ein großer P+R befindet. Die Tour führte uns in nördlicher Richtung zunächst an einigen Bauernhöfen und Parklandschaften vorbei, bis wir nach 12 Kilometern die historische Wasserburg Haus Welbergen erreichten. Diese liegt etwas versteckt rechterhand der Route, umgeben von einem kleinen Wäldchen. Im schön angelegten Park, besonders sehenswert ist übrigens der Innenhof mit seinen zahlreichen Stauden und Rosen, die in allen Farben blühen, machten wir ein erstes Picknick. Hier gibt es praktischerweise auch mehrere Picknickbänke.


Danach fuhren wir in Richtung Osten und näherten uns allmählich Rheine sowie dem Ufer der Ems. Hier kamen wir unverhofft zu einer kostenfreien Führung am Emswehr, bei der wir viel über die Geschichte des Wehrs und seines Kraftwerks sowie der früheren Wassermühle erfuhren. (Nur wenige Monate nach unserem Besuch wurde das Kraftwerk stillgelegt.)
In Rheine ist außerdem der Falkenhof sehenswert, der von Karl dem Großen gegründet wurde und der als Keimzelle der Stadt gilt. Heute liegt der schöne Marktplatz in unmittelbarer Nähe zum Falkenhof.


In nördlicher Richtung radelnd verließen wir die Innenstadt und erreichten schnell das nächste Highlight der Tour: Im Salinenpark Rheine liegt Salz in der Luft, und auch wir hielten hier inne, um am Salinenwerk die wohltuende Luft einatmen zu können.
Im Park befindet sich auch das Kloster Bentlage, in dem wir eigentlich übernachten wollten. Leider war es jedoch bei unserer Planung schon ausgebucht, sodass wir nur im Außencafé des Klosters eine Pause mit leckerem Kuchen unter Apfelbäumen einlegen konnten.
Bereits in der Abenddämmerung fuhren wir danach zunächst ein Stück die malerische Ems entlang und danach Richtung Osten bis zu unserem ersten Etappenziel, dem Landhotel Hopster. Dort angekommen lagen knapp fünfzig Kilometer hinter uns und wir genossen ein zünftiges Abendessen im Garten des Hotels.


Am zweiten Tag unserer Radtour durch das nördliche Münsterland verließ uns leider zunächst das Wetterglück, sodass wir die ersten Kilometer zügig absolvierten. Zunächst Richtung Hörstel, dann weiter in Richtung Ibbenbüren fahrend, erreichten wir (passend zum Wetter) das Nasse Dreieck, eine Halbinsel zwischen Dortmund-Ems- und Mittellandkanal. Lange hielten wir uns dort jedoch nicht auf und radelten schnell weiter bis zum Kloster Gravenhorst, in dessen Café wir bei Kaffee und Kuchen so langsam wieder trockneten. Danach waren auch die ärgsten Schauer vorbei und wir konnten es wieder gemütlicher angehen lassen.


Allmählich näherten wir uns Tecklenburg und damit auch dem anstrengendsten Teil der gesamten Radtour: Zunächst radelten wir gemächlich bergauf, ab Ledde wurde es dann richtig steil und schweißtreibend. Insgesamt sollten es dreihundert Höhenmeter werden bis zum höchsten Punkt mitten in Tecklenburg. Ich hatte den Ehrgeiz, es ohne Schieben zu schaffen und habe wirklich alles gegeben. Als ich dachte, ich hätte es geschafft, wurde es hinter einer Kurve aber noch einmal steiler und ich musste doch noch absteigen und die restlichen Höhenmeter laufend und schiebend bewältigen.
Die Belohnung für die Anstrengung war dann der schöne Ortskern von Tecklenburg. Wir ließen die Räder stehen und bummelten ein wenig durch die historischen Gassen. An Paulas Kostbar gönnten wir uns außerdem eine Currywurst mit Pommes und genossen dabei den Ausblick ins Tal und auf das hügelige Tecklenburger Land. Solltet ihr mal in Tecklenburg sein, lasst es euch auf keinen Fall entgehen.
Danach ging es rasant bergab am Haus Marck vorbei und immer in südwestliche Richtung bis zu unserem Tagesziel, dem Hotel Up de Birke in Ladbergen, das wir nach 54 Tages-Kilometern erreichten. Wie bereits am Vorabend konnten wir auch hier das Essen draußen genießen und empfehlen euch beide Unterkünfte gerne weiter.


Der dritte Tag führte uns von Ladbergen zurück zu unserem Ausgangspunkt in Burgsteinfurt. Dazu lagen noch 53 Kilometer vor uns. Zuerst fuhren wir durch die Hüttruper Heide und vorbei am Flughafen Münster/Osnabrück nach Greven. Kurz vor Greven legten wir am Hofladen Heidehof eine Rast an: Am Automaten kann man dort Speisen und Getränke ziehen und diese dann am schön angelegten Picknickplatz direkt verköstigen. Eine weitere Empfehlung für euch!
In Greven angekommen gab es ein Wiedersehen mit der Ems, der wir durch ihre Auen ein kleines Stück lang folgten. Danach drehte der Weg in nordwestliche Richtung und wir kamen Steinfurt allmählich näher. Zunächst passierten wir das alte Haus Bispinghof, danach bereits in Steinfurt die historische Konzertgalerie im weitläufigen Park und als letztes Highlight Schloss Steinfurt.
Am Marktplatz in Burgsteinfurt legten wir in einem der malerischen Cafès eine letzte Pause ein und ließen die vergangenen drei Tage Revue passieren: Die Radtour im Münsterland hat unsere Erwartungen erfüllt. Die Radwege sind durchweg gut zu fahren und stets gut ausgeschildert. Wir werden sicher wiederkommen.


Hier findet ihr unsere bisherigen mehrtägigen Fahrradtouren:

  1. Ruhrtalradweg
    Ein Klassiker in NRW – von der Quelle der Ruhr im Hochsauerland über rund 280 Kilometer bis zu ihrer Mündung in den Rhein bei Duisburg.
  2. Drei-Flüsse-Tour
    Mit Rhein, Ahr und Erft werden hier auf knapp 300 Kilometern gleich drei Flüsse befahren. Besonders anstrengend aber auch besonders schön ist es zwischen Ahr und Erft.
  3. RurUfer-Radweg
    Von der malerisch gelegenen Quelle mitten im Hohen Venn in Belgien durch den Westen NRWs bis zur Mündung in die Maas bei Roermond sind es knapp 170 Kilometer. Besonders der Anstieg zum höchsten Punkt Belgiens ist kräftezehrend und sehr anstrengend, aber mindestens genauso lohnenswert. Der Radweg ist weniger befahren als die meisten anderen.
  4. Lahntalradweg
    Durch drei Bundesländer und entlang an drei Mittelgebirgen führt dieser Radweg auf knapp 250 Kilometern. Gleich mehrere Orte mit wunderschönen Fachwerkhäusern locken als Etappenziele.
  5. Eder-Radweg
    Unser heimlicher Liebling unter den bisher gefahrenen Radwegen. Von der Quelle im Rothaargebirge bis zur Mündung in die Fulda südlich von Kassel geht es auf etwas mehr als 170 Kilometern meist beschaulich zu. Eine naturnahe Streckenführung und die fast ausnahmslos hügelige Umgebung ließen mein Outdoor-Herz immer wieder höher schlagen.
  6. 46 Mühlen ohne Grenzen
    Unsere erste Radtour, die nicht von einem Fluss dominiert wurde, sozusagen ein Experiment in Corona-Zeiten. Für uns waren es knapp 230 Kilometer. Wir haben versucht, jede Mühle zu finden und wurden nicht enttäuscht. Eine Radtour, die für uns erstmals ein Rundweg war, aber trotzdem oder gerade deswegen sehr viel Spaß gemacht hat.

Hinterlasse einen Kommentar