Hüttentour im Montafon

Vier wunderbar sonnige und lange Tage waren wir Mitte August im Montafon unterwegs zu unserer Hüttentour 2021. Vorher hatten wir lange darüber diskutiert, ob eine Übernachtung auf Hütten aufgrund der Corona-Pandemie zu verantworten sei. Schließlich entschieden wir uns für einen Mittelweg: Es sollten ausnahmslos Übernachtungen in 4-Bett-Zimmern werden, keine Lagerplätze. Dafür wollten wir, wenn es erforderlich sei, auf kleinere Hütten verzichten und eventuell auch auf Berggasthöfe ausweichen. Zudem waren wir zum Zeitpunkt der Hüttentour vollständig geimpft. Auch das gab für uns den Ausschlag dazu, es verantworten zu können.

Hier kommt nun der Bericht mit GPS-Daten zu den vier großartigen Tagen zwischen Golm, Lindauer Hütte, Tschaggunser Mittagsspitze und Gauertal.

Gipfelglück im Montafon

Um vier Uhr morgens starteten wir zu viert in Richtung Tschagguns. Wir hatten Glück und kamen super durch, sodass wir unser Auto bereits vor 12 Uhr auf dem Wanderparkplatz Latschau abstellen konnten. Dort erwartete uns strahlender Sonnenschein und eine für diesen Sommer fast schon untypische Wärme. Schnell schnürten wir die Schuhe, setzten uns den Rucksack auf und wanderten in Richtung der Golmerbahn. Bei schlechtem Wetter hätten wir hier die Gondel nehmen können. So meisterten wir die 500 Höhenmeter Aufstieg zu unserer ersten Unterkunft jedoch zu Fuß.

am Startpunkt unserer Tour in Latschau

Leider verpassten wir mangels Beschilderung an der Golmerbahn zunächst den eigentlich geplanten Weg und mussten dadurch unterhalb der Gondelbahn über unzählige Treppenstufen steil bergan steigen. Schließlich konnten wir diesen Steig jedoch verlassen und über flacher ansteigende Pfade abseits des Trubels weiter wandern. Nach gut 1,5 Stunden erreichten wir schließlich das Ziel unserer ersten Etappe, das Haus Matschwitz. Hier ließen wir uns erst einmal eine wirklich leckere Flädle-Suppe und ein kühles Radler schmecken.

Ankunft am Haus Matschwitz

Unser Zimmer war sehr groß, sogar ein eigenes Waschbecken war darin vorhanden. Das Abendessen war sehr lecker und das Berg-Frühstück am nächsten Morgen ein absoluter Traum. Wir haben uns sehr wohl gefühlt im Haus Matschwitz. Es ist zudem auch sehr familienfreundlich und bietet komfortable Familienzimmer – vielleicht eine Idee für den nächsten Familienurlaub!?

Abendstimmung am Berg

Gut gestärkt machten wir uns am nächsten Morgen auf den Weg in Richtung Lindauer Hütte. Da wir am Ende der Wanderung noch Zeit und Kraft übrig haben wollten für einen möglichen Abstecher von der Hütte aus, fuhren wir zunächst mit der Gondel zur Bergstation der Golmerbahn. Das sparte uns gut 400 Höhenmeter.

tierische Begrüßung an der Bergstation der Golmerbahn

An der Bergstation trafen wir bei Kaiserwetter auf ein paar neugierige Ziegen und den Golmer Höhenweg, der uns nun ein gutes Stück lang begleiten sollte. Zuerst führte er uns auf einem durchgehend schönen Pfad mit toller Aussicht in alle Richtungen auf das Golmer Joch, im Anschluss daran auf den Latschätzkopf und das Kreuzjoch. Auf letzterem wendeten wir uns nach links und verließen damit das Gebiet rund um den Golm. Der Pfad und die Aussicht blieben jedoch genauso grandios wie zuvor.

am Golmer Höhenweg

Schließlich erreichten wir nach ein paar anstrengenden Höhenmetern den letzten Gipfel des Tages, die mehr als 2.300 Meter Hohe Geißspitze. Auch dort genossen wir die traumhafte Aussicht in alle Richtungen. Die Fernsicht war wirklich perfekt und so erblickten wir neben den drei Türmen und der Sulzfluh am Talschluss des Gauertals auch viele Gipfel des Montafon, der Silvretta, des Bregenzerwaldes und Arlbergs bis hin zum Allgäu. Bestimmt waren noch weitere Gebirgsgruppen dabei, zur Benennung fehlen mir aber leider die genauen Kentnisse. Wenn jemand mehr weiß, schreibt mir gerne.

oben angekommen

Der Abstieg von der Geißspitze war steil und anstrengend, aber auch schön. So erreichten wir recht schnell den Talboden des Gauertals und mit einem Schwenk nach links auch bald darauf das Ziel unserer zweiten Etappe, die Lindauer Hütte. Für die 8 Kilometer sowie 450 Höhenmeter im Auf- und gut 600 Höhenmeter im Abstieg hatten wir inklusive aller Pausen 4,5 Stunden gebraucht.

Ankunft an der Lindauer Hütte

Auf der Terrasse der Lindauer Hütte stärkten wir uns mit Kaiserschmarren und dem standesgemäßen Radler. Ein Blick zum Himmel zeigte uns, dass die Gewitter wohl noch auf sich warten lassen würden und so wagten wir mit leichtem Gepäck die Wanderung in Richtung des Drusentors, das ganze am Ende des Tals die Grenze in die Schweiz markiert. Für eine Besteigung der drei Türme, die imposant rechts des Tores stehen, würde die Zeit hingegen nicht mehr reichen. Auch zum Drusentor wurde es knapp, schließlich drehten wir knapp 100 Höhenmeter unter diesem wieder um, damit wir es noch frisch geduscht zum Abendessen auf der Hütte schaffen konnten. Auch wenn wir nicht ganz oben waren, der Ausflug in den Talschluss hat sich gelohnt: Zwischen Sulzfluh und den drei Türmen entlang zu wandern und immer tiefer in die Felslandschaft einzutauchen, war sehr beeindruckend.

das Drusentor zum Greifen nah

Am Abend genossen wir das Essen auf der Terrasse, denn der Wettergott blieb uns hold. Alle Wolken hatten sich wieder verzogen. Auf der Lindauer Hütte mussten wir übrigens im mitgebrachten Daunenschlafsack und mit eigenem Kissenbezug übernachten. Coronabedingt dürfen momentan keine Wolldecken ausgegeben werden, sodass ein Hüttenschlafsack in der Nacht zu kühl wurde. Mir wurde dafür (Achtung, Werbung) ein toller Daunenschlafsack von Deuter durch den Online-Shop von Outdoorsupply gesponsort.

Kaiserwetter auch an Tag 3

Auch am dritten Tag blieb uns das Wetterglück treu: Erneut durften wir bei Kaiserwetter in den Tag starten. Zuerst ging es ein Stück bergab, bevor der anstrengende Aufstieg auf den Bilkengrat begann. Zum Glück lag das Hochtal noch im Schatten, sodass es wirklich erträglich war. Absolut traumhaft war hier der Blick auf Sulzfluh und die drei Türme, und mit jedem Höhenmeter wurde es noch ein wenig schöner. Am Bilkengrat angekommen rasteten wir, naschten ein paar selbstgepflückte Blaubeeren und genossen die Aussicht, bevor wir dem Talschluss den Rücken zukehrten und durch wunderschöne Hochtäler und meist schmale Pfade zur Alpe Alpila wanderten. Genusswandern pur!

zwischen Bilkengrat und Alpe Alpila

An der Alpe angekommen, stärkten wir uns ein wenig und checkten dann den Wetterbericht: Alle Gewitter abgesagt! Da war es keine Frage mehr, dass wir versuchen wollten, die Tschaggunser Mittagsspitze zu besteigen, bevor es hinunter zur letzten Unterkunft ging. Dieses tolle Wetter mussten wir einfach nutzen. Also minimierten wir unser Gepäk und begannen den Anstieg: Die ersten der insgesamt 500 zu erklimmenden Höhenmeter waren sehr steil, sodass wir schnell an Höhe gewannen. Danach führte uns der Pfad stetig, aber nicht mehr ganz so steil bergan, bis wir auf einem Joch ankamen. Hier ging es links herum weiter. Nur wenig später mussten wir die Stöcke liegen lassen, denn die letzten Höhemeter bis zum Gipfel waren eine kleine Kraxelei: So mussten wir an mehreren Stellen die Hände zur Hilfe nehmen, um durch die Felsen klettern zu können. Trittsicher und schwindelfrei muss man hier auf jeden Fall sein.

Kletterpartie zur Tschaggunser Mittagsspitze

Schließlich erreichten wir das Gipfelkreuz und erfreuten uns an der weitern Fernsicht in alle Richtungen. Den Gipfelschnaps tranken wir sicherheitshalber allerdings erst auf dem Joch, nachdem wir die Kletterpartie hinter uns gebracht hatten. Danach wanderten wir auf unserem Aufstiegsweg wieder bergab zur Alpe Alpila, auf der wir einen wohl verdienten und frisch gebackenen Blaubeerkuchen genossen. Nach einer kleinen Pausen ging es dann wieder mit schwerem Gepäck hinab zum Gauertalhaus: Zunächst über einen Fahrweg, dann schmal und steil durch den Wald stiegen wir bergab ins Gauertal. Ehrlich gesagt, fiel mir der Abstieg nun zunehmend schwerer: Die Oberschenkel brannten und die Füße qualmten. So langsam machten sich die vielen Höhenmeter der vergangenen beiden Tage bemerkbar.

am Gipfel lagen noch über 1.000 Höhenmeter Abstieg vor uns

Endlich erreichten wir den Talboden, wendeten uns auf einen Fahrweg nach links und erreichten nur wenig später nach einem schönen Weg durch den Wald und über einen Bach das Gauertalhaus, in dem wir die letzte Nacht verbringen wollten. Ziemlick ko und ziemlich glücklich nach 11 Kilometern, 710 Höhenmetern bergauf und 1.220 Höhenmetern bergab. Das Gauertalhaus entpuppte sich als urige Naturfreunde-Hütte. Abends wurde gegrillt, wir konnten noch einmal lange draußen sitzen, den Blick auf die Berge richten, die uns in den vergangenen Tagen begleitet hatten und auch am nächsten Morgen draußen frühstücken. Einfach perfekt!

das Gauertalhaus

Den Abstieg ins Tal am vierten und letzten Tag wollten wir trotz reichlich Muskelkater nicht nur über den Fahrweg bewältigen. Daher wählten wir einen von diesem Fahrweg abzweigenden Steig durch den Wald und stiegen noch einmal ein paar Höhenmeter bergan. Mit einem letzten Blick zurück zur Tschaggunser Mittagsspitze verabschiedeten wir uns schließlich von der Bergwelt und kamen nach 2,6 Kilometern und 240 Höhenmetern bergab wieder an unserem Auto an. In den vier fantastischen und absolut wunderbaren Tagen sind wir insgesamt 30 Kilometer, 2.200 Höhenmeter bergauf und 2.600 Höhenmeter bergab gewandert. Es war mir, zusammen mit der weltbesten Hüttentourcrew der Welt und Dani im Herzen, wie immer ein riesiges Vergnügen, von dem ich noch lange zehren werde!

ein kleiner Wasserfall zum Abschluss der Tour

Hier findet ihr die GPS-Daten zu den einzelnen Etappen:

ein Teil des Gipfelpanoramas von der Tschaggunser Mittagsspitze

Unsere vorherigen Hüttentouren findet ihr übrigens hier:

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